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Wallbox, Ladesäule & Photovoltaik: DGUV V3 Prüfpflichten

Elektromobilität und Solarenergie boomen. Immer mehr Unternehmen installieren Wallboxen, Ladesäulen und Photovoltaikanlagen. Doch mit den neuen Anlagen kommen auch neue Prüfpflichten. Dieser Ratgeber erklärt, warum die Standardfrist von vier Jahren hier oft nicht ausreicht und welche Normen Sie beachten müssen.

Warum jährliche Prüfung statt alle vier Jahre?

Ortsfeste elektrische Anlagen werden nach DGUV V3 standardmäßig alle vier Jahre geprüft. Bei Ladeinfrastruktur und Photovoltaikanlagen greifen jedoch besondere Umstände, die kürzere Intervalle erfordern.

  • Hohe Ströme: Wallboxen arbeiten mit Ladeströmen von 16 bis 32 Ampere, DC-Ladesäulen mit bis zu 500 Ampere. Die thermische Belastung der Kontakte ist erheblich
  • Witterungseinflüsse: Im Außenbereich installierte Anlagen sind Regen, Frost, UV-Strahlung und Temperaturschwankungen ausgesetzt
  • Öffentlicher Zugang: Ladesäulen auf Firmenparkplätzen werden von vielen unterschiedlichen Nutzern bedient, was den Verschleiß erhöht
  • Komplexe Schutzeinrichtungen: FI-Schalter vom Typ B, DC-Fehlerstromschutz und Kommunikationsmodule erfordern regelmäßige Funktionsprüfungen
Norm-Hinweis: Die VDE 0100-722 regelt die speziellen Anforderungen an die Elektroinstallation für Ladestationen von Elektrofahrzeugen. Sie schreibt unter anderem einen eigenen Stromkreis je Ladepunkt und einen FI-Schutzschalter Typ B vor.

Was wird geprüft? Anlagentypen im Überblick

Anlagentyp Leistung Empfohlenes Intervall Relevante Normen
Wallbox AC (einphasig) 3,7 kW 12 Monate VDE 0100-722, DGUV V3
Wallbox AC (dreiphasig) 11 - 22 kW 12 Monate VDE 0100-722, DGUV V3
Ladesäule DC 50 - 350 kW 6 - 12 Monate VDE 0100-722, LSV, DGUV V3
Photovoltaikanlage variabel 12 Monate VDE 0100-712, DGUV V3
Batteriespeicher variabel 12 Monate VDE-AR-E 2510-50, DGUV V3
Wechselrichter variabel 12 Monate VDE 0126-1-1, DGUV V3

Typische Mängel bei Ladeinfrastruktur

Bei der Prüfung von Wallboxen und Ladesäulen werden regelmäßig folgende Mängel festgestellt, die ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.

  • Überhitzte Kontakte: Verschlissene oder korrodierte Steckverbindungen am Ladekabel führen zu Wärmeentwicklung bis hin zur Brandgefahr
  • Defekte FI-Schutzschalter: Insbesondere der DC-Fehlerstromschutz (Typ B) wird selten manuell getestet und kann im Lauf der Zeit versagen
  • Fehlende Erdung: Durch Erschütterungen oder unsachgemäße Installation lösen sich Schutzleiteranschlüsse
  • Wassereintritt: Undichte Gehäuse bei Außeninstallationen lassen Feuchtigkeit an spannungsführende Teile gelangen
  • Veraltete Firmware: Sicherheitsrelevante Software-Updates werden nicht eingespielt, was zu Fehlfunktionen der Schutzeinrichtungen führen kann
Brandrisiko: Defekte Ladekabel und überhitzte Steckverbindungen gehören zu den häufigsten Brandursachen bei Ladeinfrastruktur. Eine jährliche Thermografie-Prüfung unter Last kann solche Schäden frühzeitig erkennen.

Besondere Anforderungen bei Photovoltaik

Photovoltaikanlagen stellen Prüfer vor besondere Herausforderungen, da sie auf der Gleichstromseite auch bei abgeschaltetem Wechselrichter unter Spannung stehen können.

  • DC-Seite: Die Solarmodule erzeugen bei Lichteinfall permanent Gleichspannung. Eine Freischaltung ist nur durch Abdecken möglich
  • Isolationsmessung: Die Isolationswiderstandsmessung der DC-Leitungen ist ein zentraler Bestandteil der Prüfung
  • Blitzschutz: Überspannungsableiter und Blitzschutzkomponenten müssen auf Funktion geprüft werden
  • Modulinspektion: Mechanische Beschädigungen, Verfärbungen und Hotspots der Module werden visuell und per Thermografie erfasst
  • Wechselrichter: Schutzabschaltfunktion, Netzüberwachung und Inselbetriebserkennung müssen funktionieren
Praxistipp: Kombinieren Sie die DGUV V3 Prüfung mit der Wartung der Photovoltaikanlage. So sparen Sie Anfahrtskosten und stellen sicher, dass sowohl die elektrische Sicherheit als auch die Anlagenleistung regelmäßig überprüft werden.

Den richtigen Prüfdienstleister finden

Nicht jeder Elektroprüfer ist für die Prüfung von Ladeinfrastruktur und Photovoltaik qualifiziert. Achten Sie bei der Auswahl auf folgende Kriterien.

  1. Qualifikation: Der Prüfer muss als befähigte Person nach TRBS 1203 qualifiziert sein und Erfahrung mit Ladeinfrastruktur nachweisen können
  2. Messtechnik: Spezielle Messgeräte für DC-Isolationsmessung und Thermografie sollten vorhanden sein
  3. Normkenntnis: Kenntnisse der VDE 0100-722 (Ladeinfrastruktur) und VDE 0100-712 (PV-Anlagen) sind zwingend erforderlich
  4. Referenzen: Fragen Sie nach vergleichbaren Projekten und Referenzkunden
  5. Kombinierte Prüfung: Anbieter, die alle Anlagentypen aus einer Hand prüfen, sind oft wirtschaftlicher

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Prüfumfang: Was wird konkret gemessen?

Eine vollständige DGUV V3 Prüfung der Ladeinfrastruktur umfasst mehrere Messungen und Sichtprüfungen.

Prüfschritt Methode Bewertet
Sichtprüfung Visuelle Inspektion Gehäuse, Kabel, Beschriftung, Zugänglichkeit
Schutzleiterwiderstand Messung mit Prüfgerät Durchgängigkeit der Erdung
Isolationswiderstand Messung DC 500V Isolation zwischen Leitern und Erde
FI-Schutzschalter Auslöseprüfung Auslösestrom und Auslösezeit
Thermografie Wärmebildkamera unter Last Hotspots an Kontakten und Leitungen
Funktionsprüfung Betriebstest Ladevorgang, Kommunikation, Notabschaltung

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Häufig gestellte Fragen

Muss eine firmeneigene Wallbox nach DGUV V3 geprüft werden?

Ja. Wallboxen, die auf dem Firmengelände betrieben werden, sind ortsfeste elektrische Betriebsmittel und unterliegen der DGUV V3 Prüfpflicht. Aufgrund der hohen Ströme und des Außeneinsatzes empfehlen Experten eine jährliche Prüfung statt des üblichen 4-Jahres-Intervalls.

Wer ist bei gemieteten Ladesäulen für die Prüfung verantwortlich?

Die Prüfpflicht liegt beim Betreiber, also in der Regel beim Mieter der Ladesäule. Der Mietvertrag kann die Verantwortung zwar auf den Vermieter übertragen, die grundsätzliche Betreiberpflicht nach DGUV V3 bleibt jedoch beim Unternehmen, das die Ladesäule nutzt.

Können PV-Anlage und Ladeinfrastruktur zusammen geprüft werden?

Ja, das ist möglich und oft wirtschaftlich sinnvoll. Viele Prüfdienstleister bieten kombinierte Prüfungen für Photovoltaik, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur an. Achten Sie darauf, dass der Prüfer die entsprechenden Qualifikationen für alle Anlagentypen mitbringt.

Fazit: Ladeinfrastruktur braucht besondere Aufmerksamkeit

Wallboxen, Ladesäulen und Photovoltaikanlagen unterliegen der DGUV V3 und erfordern aufgrund ihrer besonderen Belastung kürzere Prüfintervalle als herkömmliche ortsfeste Anlagen. Eine jährliche Prüfung durch einen qualifizierten Fachbetrieb schützt vor Brandgefahren, sichert den Versicherungsschutz und erfüllt die gesetzlichen Anforderungen.

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e Checko Redaktion

Fachberatung rund um DGUV V3 und elektrische Sicherheit

Tags: DGUV V3 Wallbox Ladesäule Photovoltaik

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